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Die Psyche in Zeiten der Corona-Pandemie

Deutschland befindet sich im Ausnahmezustand. Wir alle halten uns an das bundesweite Kontaktverbot, um die Verbreitung des Corona-Virus einzudämmen. Das Leben wird auf den Kopf gestellt, denn Routinen, soziale und berufliche Kontakte sowie Freizeitaktivitäten fallen weg. Für die Psyche ist das eine lang andauernde Belastungsprobe. Dies gilt grundsätzlich für alle Menschen, jedoch leiden psychisch vorerkrankte Personen besonders stark unter der Situation.

Ausnahmezustand für alle

Täglich oder eher stündlich prasseln neue Informationen auf uns ein und so gut wie jede Unterhaltung führt unweigerlich zum Thema Corona-Krise. Das geht an keinem spurlos vorüber. Die Gedanken kreisen um das Thema und lösen Gefühle aus, die wir sonst, zumindest in der derzeitigen Intensität, nicht erleben. Dies hat auch Auswirkungen auf unsere psychische Gesundheit.

Die Corona-Krise beeinflusst Gefühle und Gedanken
Psychische Gesundheit bedeutet, dass auf längere Sicht positive Gefühle im Leben überwiegen. Im Normalzustanden sind wir gut dazu in der Lage, negative Erfahrungen und schlechte Gefühle zu verarbeiten. Momentan wird unsere Psyche jedoch von negativen Gefühlen und Gedanken geradezu „geflutet“. Vielen Menschen fällt es verständlicherweise schwer, sich davon zu lösen und das psychische Wohlbefinden aufrecht zu erhalten.

Das Schaubild zeigt, welche Gedanken und Gefühle durch die Corona-Krise auftreten können. Eine solche Bestandsaufnahme kann hilfreich sein, um uns der momentan vorhandenen Gefühle und Gedanken bewusst zu werden. Vielleicht können Sie die Liste noch durch ihre individuellen Gefühle und Gedanken ergänzen. 

Negative Gefühle:

Positive Gefühle:

Unsicherheit, Sehnsucht nach Normalität, Ungewissheit, Hoffnungslosigkeit, Surrealität, Verzerrung, Angst, Panik, Fassungslosigkeit, Ungläubigkeit, Ohnmacht, Einsamkeit, Niedergeschlagenheit, Bewegungsdrang, Einschränkung, gefangen sein, Machtlosigkeit, Kontrollverlust…

Solidarität, Zusammenhalt, Kampfgeist, Tatendrang, Hilfsbereitschaft, Zuversicht, Dankbarkeit…

Negative Gedanken:

Positive Gedanken:

finanzielle Sorgen, existentielle Sorgen, Sorgen um die eigene und die Gesundheit Angehöriger, Grübeln, Konzentrationsschwierigkeiten, Technische Schwierigkeiten und Kommunikationsprobleme im Home Office, Home Schooling als große Herausforderung für Kinder und Eltern, Wie lange geht das noch? Kann Deutschland das stemmen? Wann wird die Kontaktsperre gelockert? Das Ausmaß ist noch nicht abzuschätzen…

mehr Zeit mit der Familie, voranschreitende Digitalisierung, Verbesserungen für das Klima…

Es wird deutlich: Negative Gefühle und Gedanken überwiegen derzeit. Psychisch gesunde Menschen schaffen es, die negative Seite der Gedanken und Gefühle zwischenzeitlich auszublenden, sich abzulenken und so viel Normalität wie möglich aufrecht zu erhalten. Aber was ist mit Menschen, deren Psyche bereits angegriffen ist?

Besondere Belastungsprobe für psychisch vorerkrankte Menschen

Psychisch vorerkrankte Menschen sind besonders sensibel für ihre Gedanken und Gefühle. Durch die Corona-Krise werden Denk- und Gefühlsmuster getriggert, die die Psyche stark belasten. Bei akut erkrankten Patienten in psychiatrisch-psychotherapeutischer Behandlung kann es zu einer Verstärkung der Symptomatik kommen. Ehemalige Patienten, die ihre psychische Erkrankung eigentlich überwunden haben, können einen Rückfall erleiden. An dieser Stelle wird exemplarisch auf Depressionen und Angststörungen eingegangen, da sie besonders häufig vorkommen.

Die Corona-Pandemie und Depressionen
Menschen, die unter Depressionen leiden, kennen Gefühle der Hoffnungslosigkeit und Niedergeschlagenheit nur zu gut, da sie zu den typischen Symptomen einer Depression gehören. Viele neigen auch unabhängig der Corona-Krise zu starkem Grübeln, zum Beispiel, wenn es um das Thema Zukunft geht. Diese Gefühle und Grübelschleifen werden durch die Corona-Krise befeuert und können kritische Ausmaße annehmen. Hinzu kommt, dass bewährte Interventionsstrategien bei Depressionen zurzeit nur eingeschränkt möglich sind. So gehören beispielsweise soziale Interaktion, der Aufbau angenehmer Aktivitäten und die Erstellung eines strukturierten Tagesplans zu den Therapieinhalten. Die Corona-Krise erschwert dies und stellt die Betroffenen vor ganz neue Herausforderungen.

Die Corona-Pandemie und Angststörungen
In vielen Fällen von Angststörungen drehen sich die Sorgen um die eigene Gesundheit oder die Gesundheit nahestehender Personen. Die Angst vor einer Corona-Infektion kann das allgemein schon erhöhte Angstempfinden verstärken. Zudem reagieren viele Betroffene sehr sensibel auf Körpersignale wie Herzklopfen, Veränderung der Atmung, Temperaturempfindung oder Schmerzen. Die negativen Gedanken und Gefühle durch die Corona-Krise können diese Empfindungen triggern und so einen Teufelskreis der Angst bis hin zu Panikattacken auslösen. Auch finanzielle Engpässe können Ängste hervorrufen. Diese existenziellen Ängste sind derzeit verstärkt zu beobachten. Die Wirtschaft, Arbeitgeber und Arbeitnehmer sind schwer von der Corona-Pandemie betroffen und immer mehr Menschen müssen in Kurzarbeit treten oder verlieren sogar ihren Job.

Die Versorgung psychisch erkrankter Personen
Für alle psychisch erkrankten Menschen stellt sich gerade die Schwierigkeit, dass die psychiatrische und psychotherapeutische Versorgung durch die Corona-Pandemie beeinflusst wird. Die normalen Sprechstunden und Termine fallen oftmals weg. Im besten Falle werden sie zwar durch Telefon-, oder Videotherapien ersetzt, dennoch reicht dies für manche Patienten nicht aus, um sie aus einem akut depressiven Einbruch oder einer massiven Angstspirale zu befreien. Für Patienten, die sich noch nicht in Behandlung befinden, wird die Suche nach ärztlicher und psychotherapeutischer Einbindung zusätzlich erschwert.

Die Limes Schlossklinik Rostocker Land – Wir sind für Sie da!

Die weltweiten Auswirkungen des neuartigen Coronavirus Sars-CoV-2 haben auch Einfluss auf den Klinikalltag in der Limes Schlossklinik Rostocker Land. Um weiterhin für die Patienten da zu sein, verfolgt die Limes Schlossklinik die aktuellen Entwicklungen und steht im engen Austausch mit den zuständigen Behörden. Unter Beachtung aller Vorgaben wurden umfassende Präventiv- und Verhaltensmaßnahmen getroffen, um die Gesundheit der Patienten und Mitarbeiter zu schützen.

Insbesondere in dieser Ausnahmesituation leiden Menschen unter psychischen Stress. Die Angst um die eigene Gesundheit und das Wohlergehen geliebter Menschen sowie die finanziellen Sorgen sind für viele kaum zu ertragen. „Gerade diesen Betroffenen möchten wir auch in dieser schweren Zeit helfen und bieten eine kurzfristige stationäre Krisenintervention und stabilisierende Therapien an“, so Chefarzt Dr. Brolund-Spaether.

Wir sind für Sie da!

Autor/in:
Friederike Reuver

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