Paartherapie: den Parcours der Beziehung meistern

Eine glückliche und erfüllte Partnerschaft ist ein wertvolles Gut im Leben vieler Menschen. Doch der Weg zu einer harmonischen Beziehung kann mitunter von Herausforderungen und Schwierigkeiten geprägt sein. Konflikte, Kommunikationsprobleme und Vertrauensbrüche können die Beziehung belasten und das gemeinsame Glück gefährden. In solchen Momenten kann Paartherapie eine wertvolle Unterstützung bieten um die Partnerschaft zu stärken und zu transformieren.

Was ist Paartherapie und wie funktioniert sie?

Paartherapie ist eine Form der psychotherapeutischen Unterstützung, die speziell für Paare entwickelt wurde. Sie bietet einen geschützten Raum, in dem beide Partner gemeinsam mit einem Therapeuten offen über ihre Gedanken, Gefühle und Sorgen sprechen können um ihre Beziehung zu verbessern. Der Therapeut ist unparteiisch und hilft dabei die zugrunde liegenden Muster und Dynamiken zu erkennen, die zur Problematik beitragen und unterstützt bei der Entwicklung neuer Verhaltensweisen und Lösungsansätze.

Paartherapie kann dabei in verschiedenen Formen stattfinden, abhängig von den Vorlieben und Bedürfnissen des Paares. In der Regel finden die Sitzungen regelmäßig statt und dauern etwa 60 Minuten. Während dieser Sitzungen führt der Therapeut Gespräche mit dem Paar, stellt Fragen, gibt Feedback und leitet Übungen an, um den therapeutischen Prozess zu unterstützen.

Wann eine Therapie sinnvoll ist

Wann ist es Zeit für eine Paartherapie? Eine sehr schwierige Frage, die jedes Paar nur nach Gefühl für sich selbst beantworten kann. Es gibt jedoch verschiedene Gründe, die häufig wegweisend für diese Entscheidung sein können:

  • Konflikte und Streitigkeiten
  • Intimitätsprobleme
  • Vertrauensbrüche und Affären
  • Unterschiedliche Lebensziele und Wertvorstellungen
  • Veränderungen im Leben
  • Langeweile und Stagnation

Zielgerichtet zu einem besseren Miteinander

Das Hauptziel der Paartherapie besteht darin, das Gleichgewicht in einer Beziehung wiederherzustellen oder zu verbessern. Dies kann durch verschiedene Schwerpunkte erreicht werden, ganz nach den Bedürfnissen des Paares. Einige der häufigsten Ziele der Paartherapie sind:

  1. Kommunikation verbessern: Eine effektive Kommunikation ist das Fundament einer gesunden Beziehung. Paartherapie hilft den Partnern dabei ihre Kommunikationsmuster zu erkennen und zu verbessern um Missverständnisse zu reduzieren sowie die gegenseitige Wertschätzung zu stärken.
  2. Konflikte lösen: Konflikte sind in jeder Beziehung unvermeidbar, es ist vielmehr entscheidend wie sie gelöst werden. Paartherapie zeigt dabei Techniken und Strategien auf um Konflikte konstruktiv anzugehen, Respekt und Verständnis zu fördern sowie gemeinsame Lösungen zu finden.
  3. Intimität und Vertrauen wiederherstellen: In manchen Beziehungen kann es zu einem Verlust von Intimität und Vertrauen kommen. Paartherapie unterstützt die Partner dabei diese Aspekte ihrer Beziehung wiederherzustellen, indem sie Raum für Ehrlichkeit, Verletzlichkeit und emotionalen Austausch schafft.
  4. Rollen und Erwartungen klären: Jeder Partner bringt eigene Erwartungen und Vorstellungen mit in die Beziehung. Paartherapie ermöglicht es den Partnern über ihre Rollen, Bedürfnisse und Werte zu sprechen um die Beziehung ausgewogener und erfüllender zu gestalten.

Welches Benefits es sonst noch gibt

Und Paartherapie kann noch mehr! Wenn an allen oben genannten Zielen erfolgreich gearbeitet wird, kann ein Paar gemeinsam noch mehr erreichen:

  • Tieferes Verständnis füreinander: Durch die Arbeit mit einem Therapeuten lernen Partner die Perspektive des anderen zu sehen und Empathie aufzubauen.
  • Individuelles Wachstum: Paartherapie bietet auch Raum für persönliches Wachstum und Selbstreflexion, da jeder Partner die Möglichkeit hat seine eigenen Muster und Verhaltensweisen zu erkennen und zu verändern.
  • Stärkung der Bindung: Durch die Arbeit an der Beziehung können Paare eine tiefere emotionale Verbindung aufbauen.
  • Prävention von Beziehungskrisen: Paartherapie kann auch als präventive Maßnahme dienen um Beziehungskrisen vorzubeugen, indem sie die Kommunikation und das Verständnis von Anfang an fördert.

Verschiedene Formen der Paartherapie

Es gibt verschiedene Ansätze der Paartherapie, die von Therapeuten je nach ihren Ausbildungen und Erfahrungen verwendet werden. Einige der gängigsten Formen sind Folgende:

Emotionsfokussierte Paartherapie: Diese Therapieform konzentriert sich auf die emotionalen Bedürfnisse und Bindungsmuster der Partner. Der Therapeut hilft den Partnern dabei ihre Emotionen auszudrücken, Bedürfnisse zu erkennen und eine sicherere Bindung aufzubauen.

Systemische Paartherapie: Die systemische Therapie betrachtet die Beziehung als ein komplexes System und untersucht die Wechselwirkungen zwischen den Partnern sowie die Dynamiken in ihrem sozialen Umfeld. Der Therapeut arbeitet daran die Kommunikation zu verbessern und positive Veränderungen im gesamten System herbeizuführen.

Verhaltenstherapie: In der verhaltenstherapeutischen Paartherapie liegt der Fokus auf den Verhaltensmustern der Partner. Der Therapeut hilft dabei ungesunde Handlungen zu identifizieren und neue, förderliche zu entwickeln.

Integrative Paartherapie: Die integrative Paartherapie kombiniert verschiedene therapeutische Ansätze und Techniken um den individuellen Bedürfnissen und Herausforderungen des Paares gerecht zu werden. Der Therapeut passt den Ansatz an die spezifische Situation an und nutzt eine Vielzahl von Methoden.

Imago-Beziehungsarbeit: Imago-Beziehungsarbeit basiert auf der Idee, dass Menschen sich unbewusst zu Partnern hingezogen fühlen, die frühere Beziehungserfahrungen widerspiegeln. Der Therapeut hilft den Partnern dabei diese unbewussten Muster zu erkennen und zu heilen um eine tiefere Verbindung aufzubauen.

Bloß nicht zu lange warten!

Eigentlich wäre zu erwarten, dass Psychotherapie, auch als Paar, heute nicht mehr schambesetzt ist – leider trifft das jedoch nicht zu. Viele Paare kommen noch immer sehr spät oder auch zu spät zur Therapie, da sie lange noch denken, sie könnten ihre Herausforderungen ohne professionelle Hilfe meistern oder Bedenken haben privates mit jemand externen zu teilen. Manchmal ist auch nur ein Partner bereit diesen Schritt zu gehen. In zuletzt genannten Fall kann eine Sitzung auch zunächst von einer Person alleine wahrgenommen werden. Es ist wichtig zu betonen, dass das Beziehungsglück einen maßgeblichen Einfluss auf die Gesundheit hat und zu enormem Leidendruck und in schlimmen Fällen sogar psychischen Erkrankungen wie Depressionen führen kann.

Quellenangaben
  • Brubacher, Lorrie L.: Wegweiser Emotionsfokussierte Paartherapie. Göttingen, 2020.
  • Retzer, Arnold: Systemische Paartherapie. Stuttgart, 2004.
  • Roesler, Christian: Paarprobleme und Paartherapie. Stuttgart, 2018.
  • Schär, Marcel: Paarberatung und Paartherapie. Berlin, 2016.
  • Scheib, Peter: Paar- und Familientherapie. Berlin, 2013.

Kategorien: Depressionen Therapie

Verena Klein
Autor:in Verena Klein
"Die LIMES Schlosskliniken haben sich auf die Behandlung von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen spezialisiert. Mit Hilfe des Blogs möchten wir als Klinikgruppe die verschiedenen psychischen Erkrankungen näher beleuchten und verschiedene Therapien sowie aktuelle Themen vorstellen."

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