Akrophobie: Höhenangst erkennen und erfolgreich überwinden

Ein Firmenevent im Hochseilgarten, die Fahrt mit der Rolltreppe in das obere Stockwerk eines Kaufhauses oder nur gemütlich mit Freunden auf dem Balkon sitzen – für manche Menschen schlichtweg unmöglich! Die Akrophobie, auch bekannt als Höhenangst, hat viele Gesichter und schränkt Betroffene in mehr alltäglichen Situationen ein, als zu vermuten wäre.

Die Angst vor Höhe und ihre weitreichenden Folgen verstehen

Allgemein gehört die Akrophobie zu den spezifischen Phobien, also einer Angsterkrankung, die auf bestimmte Objekte und Situationen bezogen ist. Wie sicherlich schon deutlich wurde bezeichnet sie grundsätzlich die Angst vor einer gewissen Entfernung zum Boden. Wie groß diese Entfernung sein kann, bis Angst bei den Betroffenen auftritt, ist dabei ganz unterschiedlich. Von Natur aus ist Respekt vor der Höhe ein gesunder Schutzmechanismus. Bereits in Experimenten mit kleinen Kindern zeigte sich, dass diese zögerlich reagieren, wenn sie über eine Glasplatte über einem Abgrund krabbeln sollten. Evolutionär sichert die Angst vor Höhe also unser Überleben. Davon grenzt sich allerdings die klinisch bedeutsame Höhenangst ab. Diese schränkt die Lebensqualität Betroffener deutlich ein und macht zahlreiche Tätigkeiten unmöglich:

  • Arbeiten im Haushalt auf einer Leiter
  • Fahrten im Aufzug
  • Aufenthalt an Fenstern in höheren Stückwerken
  • Überqueren von Brücken
  • Besuche von Aussichtstürmen
  • Flugreisen
  • und viele mehr

Schlimmstenfalls ist sogar das Ausüben ihres Berufes für Betroffene nur noch eingeschränkt möglich: Beispielsweise bei der Arbeit als Architekt, Elektriker oder Ingenieur. Jedoch bringen auch unzählige weitere Berufe Schwierigkeiten mit sich, da Büroräume meistens in höheren Etagen liegen und viele Fenster besitzen.

Wichtig: Ungefähr 5% der deutschen Bevölkerung leiden an Höhenangst und sie ist damit eine der am weitverbreitetsten Phobien.

Welche Symptome sind charakteristisch?

Betroffene von Akrophobie meiden in der Regel jegliche Höhen, da sie starke Furcht vor negativen Folgen, wie dem Fall oder Einsturz von Konstrukten, sowie den Begleitsymptomen ihrer Angst haben. Solche Symptome können in einer Höhensituation folgende sein:

  • Starkes Schwitzen
  • Herzrasen
  • Luftnot
  • Schwindel
  • Engegefühl in der Brust
  • Zittern

Die Symptome können so stark sein, dass Betroffene befürchten einen Herzinfarkt zu erleiden oder sich aufgrund ihrer panischen Handlungen noch mehr in Gefahr zu begeben.

Für Außenstehende ist die Angst nicht immer nachvollziehbar, gerade wenn Höhen stark gesichert sind. Und auch einige Betroffene wissen rein rational, dass ihre Angst übertrieben ist und ihnen eigentlich nichts passieren kann.

Wie konnte es zu dieser Phobie kommen?

Bei der Höhenangst ist hervorzuheben, dass sie, anders als andere Phobien, meistens nicht durch ein traumatisches Erlebnis entsteht. Nur in sehr seltenen Fällen haben Betroffene beispielsweise einen Fall von einer hohen Leiter erlebt oder waren bei einem Einsturz einer Brücke dabei. Eher haben sie das Gefühl schwer ihr Gleichgewicht halten zu können und feinfühliger auf Körperempfindungen zu reagieren sowie sich bei Bewegungen ihrer Umgebung unwohl zu fühlen. Ein anderer auslösender Faktor sind Bezugspersonen im Kindesalter. Wenn wir dort schon vermittelt bekommen, dass gewisse Höhen gefährlich sind oder unsere Eltern sogar selbst an Akrophobie leiden und schnell panisch reagieren, werden die Ängste übertragen.

Exposition als Therapiemaßnahme

Die gute Nachricht: Obwohl es sich um eine der am weitverbreitetsten Phobien handelt, ist die Akrophobie sehr gut erforscht und therapierbar! Hierfür kommt bevorzugt die Expositionstherapie im Rahmen einer Verhaltenstherapie zum Einsatz.

Bei einer Expositionstherapie gilt die Regel: Der Weg aus der Angst geht durch die Angst. Klingt erstmal furchtbar, ist jedoch hocheffektiv. Die Betroffenen sollen sich also der Höhe stellen. Dies muss jedoch nicht gleich an einem stark gefürchteten Ort, wie auf einem Hochhaus geschehen, sondern es wird eine Angsthierachie gebildet und ganz unten kann auch erstmal eine virtuelle Simulation stehen. Es geht vor allem darum, dass Erkrankte erleben, dass sich ihre Befürchtungen in der Höhe nicht bewahrheiten und auch die körperlichen sowie psychischen Reaktionen im Laufe des Trainings abnehmen und aushaltbar werden. Das passiert, da der Körper nicht dauerhaft eine solche Angstreaktion aufrechterhalten kann. Darüber hinaus gibt der Psychotherapeut dem Patienten Techniken an die Hand, wie er sich in einer Angstsituation selbst beruhigen kann – zum Beispiel Atemübungen.

Auch die Entstehung der Angst, die Aufklärung über die Erkrankung und der Austausch mit anderen Betroffenen können eine große Erleichterung sein. Leider lassen sich Betroffene oft sehr lange Zeit, bis sie sich Hilfe suchen und vermeiden jegliche Höhen in ihrem Leben – was die Angst weiter zunehmen lässt, bis sie kaum mehr erträglich ist. In einigen Fällen kann es sogar so weit kommen, dass versucht wird sich mit Alkohol, Drogen oder Medikamenten zu entlasten. Deswegen gilt: Umso früher sich Hilfe gesucht wird, desto höher die Chance auf eine schnelle Verbesserung der Symptomatik und ein erfolgreiches Überwinden der Akrophobie!

Quellenangaben
  • Bassler, Markus & Leidig, Stefan: Psychotherapie der Angsterkrankungen. Stuttgart, 2005.
  • Berghold, Franz. et al.: Alpin- und Höhenmedizin. Berlin, 2019.
  • Hoyer, Jürgen & Margraf, Jürgen: Angstdiagnostik. Berlin, 2003.
Verena Klein
Autor Verena Klein
"Die LIMES Schlosskliniken haben sich auf die Behandlung von psychischen und psychosomatischen Erkrankungen spezialisiert. Mit Hilfe des Blogs möchten wir als Klinikgruppe die verschiedenen psychischen Erkrankungen näher beleuchten und verschiedene Therapien sowie aktuelle Themen vorstellen."

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