Somatoforme Störungen

Wenn körperliche Beschwerden keine organische Ursache haben,
muss therapeutisch an der richtigen Stelle angesetzt werden.

Portrait of a young overworked student girl sitting at the table

Rund fünf bis zehn Prozent der Deutschen sind von somatoformen Störungen betroffen – Männer und Frauen in gleichem Maße. Wird die Diagnose gestellt, leiden Betroffene meist seit mindestens zwei Jahren unter der Symptomatik physischer Erkrankungen und chronischer Schmerzen, ohne dass diese körperlich begründbar sind.

Nicht nur der lange und komplizierte Patientenweg, sondern auch die vielen negativen Untersuchungsergebnisse und die erhöhte Alltagsbelastung im sozialen, interpersonalen und familiären Raum, prägen das Leben der Betroffenen enorm: Sie leben in ständiger Sorge um ihr Leben und ihre Gesundheit und suchen zur Ursachenfindung verschiedene Ärzte gleichzeitig auf. Viele Betroffene setzen sich so auch einer tatsächlichen gesundheitlichen Gefahr aus, indem sie verschiedene verordnete Medikamente parallel einnehmen ohne dabei eine wechselseitige Absprache der behandelnden Ärzte zu berücksichtigen. Andere Betroffene wiederum verändern ihre Lebensweise radikal.


Häufige Symptome bei somatoformen Störungen

Die Symptome einer somatoformen Störung können in jedem Organsystem des Körpers und jedem Körperteil auftreten. Die Häufigsten sind folgende:
 

  • Rückenschmerzen, Arm- und Beinschmerzen
  • Gefühl der Luftnot, Kurzatmigkeit
  • Schmerzen beim Wasserlassen, Unterbauchschmerzen
  • Brustschmerzen, Druckgefühl, Herzstechen, Herzstolpern
  • Bauchschmerzen, Verdauungsprobleme, Übelkeit, Völlegefühl
  • Migräne
  • Hautirritationen
  • Sexuelle Unlust
  • Menstruationsbeschwerden, Potenzprobleme

Ursachen und auslösende Faktoren somatoformer Störungen

Als Ursache für somatoforme Störungen kommen vielfältige Faktoren in Frage. Besonders relevant sind Belastungsfaktoren und Traumata in der frühen Kindheit und Adoleszenz. Es werden jedoch verschiedene Theorien in Betracht gezogen, welche versuchen die somatoforme Störung in ihrer Entwicklung verständlich zu erläutern:
 

  • Das psychoanalytische Modell: innere Konflikte werden durch den Körper nach außen getragen
  • Der lerntheoretische Erklärungsansatz: immer wiederkehrende Verhaltensmuster verfestigen die somatoforme Störung dahingehend, dass der Betroffene aus eigener Kraft keinen Durchbruch des Teufelskreises findet
  • Das neurobiologische Modell: Vererbbarkeit ist kein Ausschlusskriterium, die Schmerzempfindlichkeit wird durch das Zentralnervensystem erhöht

Risiko und Auslösefaktoren

Als Risiko- und Auslösefaktoren die zu einem Ausbruch der somatoformen Störung führen, sind die folgenden von hoher Bedeutung:
 

  • Stresssituationen mit hohen Anspannungsphasen
  • Verlust- und Trennungserfahrungen
  • Überforderung
  • Unbewusste Konflikte
  • Interpersonale Belastungsprozesse wie Wut, Ärger, Verzweiflung, traumatische Erlebnisse, Unzufriedenheit mit sich selbst und der Umwelt
  • Gefühle von Hilflosigkeit, Enttäuschung und Wertlosigkeit
  • Schwierigkeiten Emotionen adäquat auszudrücken

Das öffentlich wahrnehmbare körperliche Leiden schafft für die Betroffenen einen Rahmen der ihnen Aufmerksamkeit und Mitgefühl der Mitmenschen sichert und in welchem sie sich Schwäche eingestehen dürfen. Das erschwert eine klare Diagnose oft zusätzlich, da sich die Betroffenen vehement gegen die Vorstellung wehren, bei ihrer Erkrankung könne es sich um eine psychisch bedingte Störung handeln.


Die Therapie der somatoformen Störungen in den Limes Schlosskliniken

Meist fühlen sich Betroffene zunächst unverstanden und unter Umständen nicht ernst genommen, da über eine lange Zeit oft an der falschen Stelle nach dem Grund ihrer Beschwerden gesucht wurde. Hier müssen behandelnde Ärzte und Therapeuten gleichermaßen sehr einfühlsam und verständnisvoll sein. Häufig fällt es den Patienten schwer, sich mit der Diagnose somatoforme Störungen zu arrangieren.
Da bei den meisten Betroffenen das Vertrauen in Ärzte nachhaltig gestört ist, sollte zunächst die Arzt-Patient-Beziehung gestärkt und von Vertrauen geprägt sein, um das Erfüllen des Therapieziels zu gewährleisten.

Im Rahmen der stationären Behandlung in den Limes Schlosskliniken durchlaufen unsere Patienten eine umfangreiche Anamneseerhebung und Diagnostikphase, um die individuellen Krankheitsfaktoren zu eruieren. Durch die Einbettung in ein multimodales, individualisiertes Klinikkonzept, können die Therapiebausteine auf Ihre spezifische Anforderungen angepasst werden. Denn in diesem Bereich ist eine enge Verknüpfung von Psychotherapie, fachärztlicher Präsenz, Physiotherapie und einem medizinisch fundierten Sportkonzept unabdingbar. Im Laufe der Behandlung wird ein Störungsmodell entwickelt, welches dazu beiträgt, ein Verständnis für die Krankheitszusammenhänge zu erlangen und psychophysiologische Wechselwirkungen zu erkennen. Es werden spezifische Maßnahmen und Strategien zur Schmerzbewältigung erarbeitet, woraus eine Steigerung der Selbstwirksamkeitserwartung resultiert. Ein integrativer Therapieansatz ermöglicht hierbei eine Verknüpfung aus verhaltenstherapeutischen sowie tiefenpsychologischen Elementen, deren Inhalte durch die Erarbeitung von achtsamkeitsbasierten Methoden und Entspannungstechniken zur bewussten Aufmerksamkeitsfokussierung sowie zur Steigerung der Selbstregulationsfähigkeit abgerundet werden. Durch das SPORTARE-Programm soll eine Entkopplung von Aktivität und Schmerz gefördert werden.

Mit neuer Kraft zurück ins Leben – wir sind für Sie da!

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